Würziges Wintergrün

Küchenkräuter auf der Fensterbank anbauen

Zusatzbelichtung für KräuterwachstumFoto: Venso EcoSolutions Eine Zusatzbelichtung sorgt auch im Winter für ein optimales Kräuter­wachstum. Nach den ersten Frösten ist es mit der Kräuterernte im Freiland meist vorbei. Das ist jedoch kein Grund, in den Wintermonaten auf frisches Grün zum Würzen zu verzichten. Eine Vielzahl von Kräutern lässt sich schließlich auch auf der Fensterbank kultivieren. Pflanzen in Töpfen aus dem Supermarkt sind hier allerdings keine gute Lösung, da sie für den sofortigen Verbrauch gezogen worden sind und deshalb relativ schnell welken. Die eigene Anzucht bzw. Vermehrung ist da die bessere Alternative, damit Sie den ganzen Winter die Frische genießen können.

Zeitige Pflanzenbeschaffung

Auch wenn man in den Sommermonaten noch keinen Gedanken an den Winter verschwenden möchte, um die Kräuter für die Fensterbank sollten Sie sich bereits frühzeitig kümmern. Denn Saatgut ist im Herbst meist schwieriger zu bekommen, und das Anziehen von Stecklingen beginnt bereits im Frühsommer.

Verwenden Sie für die Aussaat am besten normale Pflanzerde, damit die Kräuter über den Winter genügend Nährstoffe zur Verfügung haben und Sie nicht nachzudüngen brauchen. Einzeltöpfe sollten Sie Sammelgefäßen vorziehen, da sie für einen gleichmäßigen Wuchs gedreht werden können. Achten Sie außerdem schon beim Aussäen darauf, dass die Pflanzen später nicht zu eng stehen. Tontöpfe sind besonders für die Fensterbank geeignet, da sie die Feuchtigkeit gut regulieren.
 

Passende Standortbedingungen

Genau wie im Freiland haben Kräuter auch drinnen unterschiedliche Ansprüche an Licht und Wärme. Bekommen sie zu wenig Licht, schießen sie in die Höhe. Die Blätter bleiben kleiner, und die Triebe werden weicher und neigen zum Knicken, die ganze Pflanze wird anfälliger. Zudem leidet das Aroma – bei einer Würzpflanze natürlich unerwünscht.

In solch einem Fall lohnt sich evtl. die Anschaffung einer Pflanzenleuchte. Durch die LED-Technik ist der Energiebedarf gering, und durch eine Zeitschaltuhr, die häufig integriert ist, können die Pflanzen zur vorhandenen Tageslänge täglich gezielt mit zusätzlichen sechs Stunden Licht versorgt werden.

Was die Wärme betrifft, sind für die meisten Kräuter bei Fensterbankkultur (wenn nicht anders angegeben) 15 °C bis 21 °C ideal. Kräuter, die es kühler und schattiger mögen, stellen Sie an Ost-, West- oder gar Nordfenster. Sonnenhungrige und wärmebedürftigere Exemplare haben ihren Platz am Südfenster.

Befindet sich unter der Fensterbank eine Heizung, müssen Sie öfters die Substratfeuchtigkeit kontrollieren. Der tägliche Wasserbedarf für feuchtigkeitsliebende Kräuter orientiert sich an der Größe des Pflanzgefäßes und beträgt ca. 10 % des Topfvolumens.
 

Das Grün für die Fensterbank

BasilikumFoto: Zerbor/Adobe Stock Basilikum Basilikum verbreitet bei Berührung einen aromatischen Duft in der Küche. Am besten gedeiht es an einem sonnigen Platz am Südfenster bei Temperaturen um 25 °C. Keinesfalls darf es kalter Zugluft ausgesetzt werden.

Die Anzucht gelingt aus Samen und Stecklingen gleichermaßen. Doch Achtung, Basilikum ist ein Lichtkeimer, daher die Samen nicht mit Erde bedecken. Das Substrat sollte nährstoffreich und immer gleichmäßig feucht sein. Zupfen Sie bei der Ernte nur einzelne Blätter oder Triebspitzen ab, treibt die Pflanze aus den Blattachseln laufend neu aus.

Dill wird gerne bei Gurken und Fischgerichten als Würzkraut genutzt. Er bevorzugt ebenfalls einen sonnigen Platz und nährstoffreiche Erde.

EstragonFoto: Zerbor/Adobe Stock Estragon Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat. Nach der Keimung fangen die Pflanzen jedoch relativ schnell an zu schießen. Daher ist eine mehrmalige Aussaat nötig, wenn Sie den ganzen Winter ernten möchten.

Estragon hilft bei der Verdauung schwerer Speisen und ist in der italienischen und französischen Küche verbreitet. Die Vermehrung gelingt am einfachsten über Stecklinge. Das Substrat sollte nährstoffreich und der Standort hell, aber ohne direkte Sonne sein.

Koriander verfeinert Suppen, Gemüse, Fisch und Geflügel und wird in den Küchen Asiens sehr geschätzt. Für die einjährige Pflanze empfiehlt sich die Aussaat. Der ideale Standort ist das sonnige Südfenster. Nasse Füße bekommen ihm nicht, obwohl er es feucht mag. Koriander neigt dazu, schnell zu schießen und Samen auszubilden. Die Samenkörner können Sie aber trocknen und ebenfalls zum Würzen verwenden.

MinzeFoto: Zerbor/Adobe Stock Minze ZitronenmelisseFoto: Zerbor/Adobe Stock Zitronenmelisse Minze und Melisse für erfrischenden Tee mögen es dagegen nicht ganz so sonnig und bevorzugen ein eher feuchtes Substrat. Die Vermehrung gelingt am leichtesten durch Teilung oder Stecklinge. Wenn Sie statt einzelner Blätter ganze Triebe ernten, verzweigen sich die Pflanzen und bleiben kompakt.


Oregano, Rosmarin, Salbei und ThymianFoto: Zerbor/Adobe Stock Oregano, Rosmarin, Salbei und Thymian


Oregano, Rosmarin, Salbei und Thymian enthalten viele ätherische Öle und lassen sich vielseitig einsetzen. Sie bevorzu­gen alle einen sonnigen und warmen Platz. Die Erde darf ruhig etwas magerer ausfallen. Gießen sollten Sie eher mäßig. Orega­no und Thymian können Sie gut per Teilung vermehren, Rosmarin und Salbei durch Stecklinge.

PetersilieFoto: Zerbor/Adobe Stock Petersilie Petersilie ist in deutschen Küchen das am häufigsten verwendete Kraut. Außerdem ist sie im Winter ein wertvoller Vitamin-C-Spender. Pflanzen im Garten können ruhig etwas Frost bekommen und dann geteilt werden. Sie treiben dann innerhalb kürzester Zeit in der Wärme durch.

Eine Aussaat ist ebenfalls möglich, so dauert es jedoch länger bis zur Ernte. Der Standort sollte hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung sein.

Schnittlauch gilt als das Frühlingskraut überhaupt. Es darf im Rührei, im Frischkäse und im Salat nicht fehlen. Die Halme sind reich an Vitamin A und C und stecken voller ätherischer Öle.

SchnittlauchFoto: Zerbor/Adobe Stock Schnittlauch Sie können ihn zwar jederzeit per Aussaat ziehen, die Halme bleiben dann jedoch recht weich und knicken schnell um. Besser ist es, Sie lassen einen im Frühjahr gesäten Schnittlauch bis nach dem ersten Frost draußen und holen ihn dann ins Warme. Er treibt so in kürzester Zeit aus und bildet kräftige Halme. Wenn Sie die Pflanze vorher mehrfach teilen und nach und nach hereinholen, haben Sie laufend Nachschub. Der Standort sollte möglichst hell und das Substrat nährstoffreich und gleichmäßig feucht sein.

Carsten Siemering

 

Krankheiten und Schädlinge

Natürlich sind die Kräuter auch auf der Fensterbank nicht vor kleinen Fliegen und manchen Läusen gefeit. Bei einem Befall reicht es aber in der Regel schon aus, wenn Sie die Kräuter gut abduschen, anschließend trocknen lassen und diese Prozedur ggf. wiederholen.

Falls sich im Stockbereich Fäulnis (z.B. Botrytis) bildet, sollten Sie etwas reduzierter gießen oder Untersetzer verwenden. Achten Sie zudem darauf, dass die Luftfeuchtigkeit (z.B. in der Küche) nicht zu hoch ist.