Von Bienenwolf bis Schnauzenschwebfliege

Unterschätzte Bestäuber unter die Lupe genommen

RosenkäferFoto: Claus Weisenböhler/Panthermedia

Die hauptamtlichen Bestäuber im Garten sind ohne Zweifel die Honigbienen (Apis mellifera). So sehr sie sich auch bemühen, den Pollen in speziellen Sammeleinrichtungen an ihrem Körper zu konzentrieren, haftet er doch auch an ihrem Pelz so gut, dass sie ihn ganz nebenbei von einer Pflanze zur nächsten tragen.
Niemand möchte den pelzigen Hautflüglern den Rang als Experten im Befruchten unserer Pflanzen absprechen, doch es gibt noch weitere Insekten, die hier ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Lernen Sie sie kennen und bieten Sie ihnen Nahrungspflanzen in Ihrem Garten. Damit tragen Sie nicht nur zum Erhalt der Insektenvielfalt bei, sondern sorgen auch für eine gute Bestäubung Ihrer Nutz- und Zierpflanzen.

Großer Landeplatz gefragt

Käfer kennen sich schon seit dem Mesozoikum, also seit über 200 Millionen Jahren, mit der Bestäubung von Blüten aus. Magnolien, Seerosen oder der Tulpenbaum mit entwicklungsgeschichtlich sehr alten und noch recht primitiven Blüten setzen ganz auf Käfer. Einige Käfer, die wir in den Blüten beobachten können, sind behaart wie der Pinselkäfer (Trichius) oder der Gewöhnliche Bienenkäfer (Trichodes apiarus) und wälzen sich geradezu im Pollen, sodass auch immer etwas im Pelz haften bleibt und zur nächsten Blüten getragen wird.

BienenkäferFoto: kraichgaufoto/Adobe Stock Der Bienenkäfer wälzt sich geradezu im Pollen.

Typische Käferblüten sind offen und somit für korpulente Käfer frei zugänglich, hell gefärbt und bieten den Pollen ganz freimütig an, ohne komplizierte Verschlussmechanismen und Schlagbaumtechnik, wie man sie von Bienenblüten, z.B. vom Salbei, her kennt. Da Käfer eher unbeholfene Flieger sind, keinen langen Rüssel haben wie die Bienen und auch den Schwirrflug nicht beherrschen, brauchen sie einen großen, gut sichtbaren Landeplatz, den sie nicht verfehlen können.
Viele Käferpflanzen duften und weisen entweder sehr große Einzelblüten auf oder sind aus vielen kleinen, dicht stehenden Einzelblüten zusammengesetzt, wie die Goldrute, die Schafgarbe oder die Wilde Möhre. Wildrosenblüten stehen bei Käfern daher hoch im Kurs, aber auch die sogar ganz ohne Blütenblätter auskommende Akeleiblättrige Wiesenraute.
Unter den Käferfamilien tun sich besonders die Buntkäfer (Cleridae), die Weichkäfer (Cantharidae) und die Stachelkäfer (Mordellidae) bei der Bestäubung hervor. Zu den Buntkäfern gehört z.B. der hübsche Bienenkäfer, den Sie auf allen möglichen offenen Blüten finden können. Weichkäfer machen sich zusätzlich durch das Verzehren von Blattläusen nützlich, daher sollten Sie ihnen einen reich gedeckten Blütentisch im Garten bieten.

Rosenkäfer, LupeFotos: butus/Adobe Stock Rosenkäfer bevorzugen offene Blüten.

Größere Arten, wie z.B. der Gemeine Rosenkäfer (Cetonia aurata), der zur Familie der Blatthornkäfer (Scarabidae) gehört, verputzen zwar gern mal komplette Pollenpakete und die Blütenblätter der Rose gleich mit, leisten aber auch eine gute Bestäubungsarbeit.

Nicht immer zweite Wahl

Wespen sind zwar nah mit Bienen verwandt, aber sind sie auch ebenso gute Bestäuber? Im Gegensatz zu ihren Verwandten sind staatenbildende, parasitische oder solitäre Wespen meist spärlich behaart, sodass Pollenkörner schlecht an ihrem Körper haften bleiben und so weniger oft von Blüte zu Blüte transportiert werden.

BienenwolfFoto: Wirestock Creators/Adobe Stock Der Bienenwolf ist eine solitär lebende Wespenart.

Außerdem sind Wespen auf „fleischliche“ Kost angewiesen: Ihre Larven werden mit anderen Insekten oder ähnlich eiweißreichen Quellen gefüttert – das kann auch mal der Rest von unserem Frühstücksei auf der Terrasse sein –, oder ihre Nachkommen entwickeln sich in den Körpern oder Eiern anderer Insekten, wenn es sich um parasitische Arten handelt.
In der Konsequenz haben erwachsene Insekten viel mehr Interesse am Nektarangebot einer Blüte als an ihrem Pollen. So tanken sie nicht nur Flugbenzin, sondern decken auch ihren Wasserbedarf. Und doch sind Wespen gar nicht mal so schlechte Bestäuber. In bestimmten Habitaten und Pflanzengesellschaften können sie sogar zu den wichtigsten Bestäubern aufsteigen.
Am Brasilianischen Pfefferbaum (Schinus terebinthifolia) z.B. ist die Arten- und Individuenzahl von Wespen deutlich höher als von Bienen. Doch auch bei uns gibt es typische Wespenblumen: Die Braunwurzarten wie die Knotige Braunwurz sind bei Wespen sehr beliebt, bei ihnen ist die Bestäubung durch Wespen und Hummeln effektiver als die durch Honigbienen. Der Pollen wird hier sehr gut durch Wespen auf die nächste Blüte übertragen.
Blüten, die gezielt Wespen anlocken, haben eher für uns wenig attraktive Farben, leicht erreichbaren und manchmal sehr üppig fließenden Nektar und oft einen für Wespen verlockenden Duft. Da die gelb-schwarzen Insekten UV-Licht wahrnehmen können, sind Wespenblumen oft weiß oder gelb, wie viele Doldenblütler (z.B. Bronzefenchel und Sterndolde).

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Auch Efeu, der zu den Araliengewächsen zählt, ist bei Wespen und Schwebfliegen beliebt. Wenn Sie einmal an einem blühenden Efeu gestanden haben, werden Sie neben seinem etwas strengen Geruch und dem Bienenbesuch auch viele Wespen und Schwebfliegen entdeckt haben. Sie wissen den wenig komplizierten Blütenaufbau zu schätzen.Der Bienenwolf (Philanthus triangulum) ist eine solitär lebende Wespenart. Er schlägt an den Blüten gleich zwei Fliegen, oder besser Bienen, mit einer Klappe: Die Pflanzen sind Nektarbar und Jagdrevier in einem, wenn auch Honigbienen die Blüten besuchen. Der Bienenwolf jagt die Honigbienen und betäubt sie, um sie dann noch lebend an seine Brut zu verfüttern. Obwohl der Bienenwolf Honigbienen dezimiert, macht er dies durch seinen Blütenbesuch und seine Bestäubungsleistung z.B. bei Minze und Mannstreu durchaus wieder wett.

Nachtschwärmer unterwegs

Was den Wespen an Behaarung fehlt, haben Nachtfalter (im allgemeinen Sprachgebrauch oft als Motten bezeichnet) im Überfluss. Frühere Studien untersuchten, wie gut Pollen am Rüssel der Falter haften bleibt, neue Untersuchungen wurden dagegen am haarigen Bauch und an der pelzigen Brust fündig: Kommen diese Körperteile mit den Staubgefäßen einer Blüte in Berührung, bleibt dort Pollen hängen und wird effizient zur nächsten transportiert. Fast die Hälfte der in der Studie untersuchten Nachtfalter hatte eine Pollenladung vor der Brust.

TaubenschwänzchenFoto: Gerisch/ Fotolia Mit ihrem Nektar hat diese Zinnie ein zu den Nachtfaltern gehörendes Taubenschwänzchen angelockt.

Darüber hinaus fanden die Forscher bei den besuchten Pflanzen Arten, die nur selten von Bienen besucht werden. Die große Artenvielfalt und damit einhergehend auch die Unterschiede in Statur und Größe machen die Nachtfalter zu sehr wichtigen Be­stäubern, allen voran die Eulenfalter (Noctuidae) und Spanner (Geometridae). Sie sind so wichtig, dass einige Pflanzenarten sich ganz auf sie verlassen und ihre Blüten extra in der Dämmerung und Nacht öffnen.
Blüten, die von Nachtfaltern bestäubt werden, duften oft und haben eine helle Farbe, die die Falter auch bei Mondschein gut sehen können. Ihre Kronröhren sind oft lang in Anpassung an den Rüssel der Bestäuber. Zu den von den Nachtschwärmern besuchten Blüten gehören Wald-Geißblatt, Taubenkropf-Leimkraut, Weiße Lichtnelke, Nickendes Leimkraut, Nachtkerze oder Seifenkraut.
Neben Futterpflanzen für ihre Raupen in Form von heimischen Stauden und Gehölzen sollten Sie den Faltern selbst ihre Lieblingsblüten anbieten, die noch dazu hübsch anzusehen sind. Zusätzlich sollten Sie weitgehend darauf verzichten, Ihren Garten zu beleuchten, da die nachtaktiven Schmetterlinge durch Lichtverschmutzung stark bedroht sind.

Weder Biene noch Wespe

Schwebfliege, Bergflocken-BlumeFoto: Julien Boisard/Biosphoto Schnauzenschwebfliege an Bergflocken-Blume

Schwebfliegen ähneln entweder Bienen oder Wespen und sind als wichtige Bestäuber und Nützlinge anerkannt. In Versuchen fanden Forscher heraus, dass die Tiere den Fruchtansatz bei Erdbeeren um 70 % erhöhen. Besonders die Breitband-Feldschwebfliege (Eupeodes latifasciatus), eine blattlausfressende Art, tut sich hier hervor. Um diese Art zu fördern, sollten Sie Blattläuse in Ihrem Garten tolerieren.
Die Schnauzenschwebfliege (Rhingia) kann mit ihrer langen Nase sogar in Lippenblüten von z.B. Salbei, Lavendel und Minze vordringen. Ansonsten besuchen Schwebfliegen-Arten besonders gern Doldenblütler, Korbblütler (z.B. Astern, Ringelblumen, Margeriten) und Hahnenfußgewächse (z.B. Clematis, Christrosen und Adonisröschen).
Doch auch andere Fliegen-Arten, die gar keinen guten Ruf haben, sind gute Bestäuber. So wurden in einem Feldversuch in Australien Schmeißfliegen mit Aas in die Mangofelder gelockt, um die Blüten zu bestäuben.

SchwebfliegeFoto: Flora Press/GWI/Nicholas Appleby Doldenblüten wie die vom Fenchel sind bei Schwebfliegen heiß begehrt.

Fliegen haben trotz ihrer manchmal unappetitlichen Nahrungs­vorlieben große Vorteile gegenüber Bienen: Da sie keine Brutpfle­ge betreiben, ist ihr Aktionsradius größer. Sie vermehren sich auch viel schneller und bei gutem Futterangebot oft explosionsartig. Im Gewächshaus kann man Fliegen sogar viel besser einsetzen als Bienen, da sie den Bedingungen unter Glas toleran­ter gegenüberstehen und nicht stechen können.

Vielfältige Dienstleister

Und dann wären da noch die Ameisen, die ebenso emsig wie die Bienen ständig unterwegs sind. Ihnen zuliebe bieten z.B. die Knospen von Pfingstrosen oder Berg-Flockenblumen extraflorale Nektarien an, also Nektardrüsen außerhalb der Blüte. Durch diese Opfergabe sollen die Ameisen gnädig gestimmt werden, doch bitte keine Blattläuse an der Pflanze zu züchten, denn das haben sie dank der üppigen Fütterung mit Nektar nicht nötig.
Eine Bestäubung findet so natürlich nicht statt. Überhaupt sind Ameisen meist keine guten Dienstleister, was schon an ihrer äußerst spärlichen Behaarung liegt, an der sich kaum Pollenkörner sammeln. Ein weiteres Problem sind Antibiotika, die Ameisen an ihrer Körperoberfläche absondern. Diese können den Pollen schädigen.

AmeiseFoto: thomas eder/Panthermedia Auch Ameisen transportieren absichtslos Pollen von Blüte zu Blüte.


Außerdem sind Ameisen so klein, dass sie in viele Blüten einfach hinein und geradewegs zum Nektar laufen können, ohne überhaupt mit dem Pollen in Berührung zu kommen. Pflanzen, die bei der Bestäubung auf Ameisen setzen, sind also selten, doch es gibt sie tatsächlich, z.B. Conospermum undulatum, ein aus­tralischer Strauch aus der Familie der Silberbaumgewächse (Proteaceae). Auch einige niedrige alpine Pflanzen nutzen ihre Dienste, wie z.B. der nordamerikanische unscheinbare Knöterich Polygonum cascadense.
In unseren Gärten leisten Ameisen aber einen ganz anderen unschätzbaren Dienst: Sie verbreiten die Saat u.a. von Lerchensporn und Raublattgewächsen, da die Pflanze jedes Samenkorn mit einem eiweißreichen Anhängsel, dem Elaiosom, ausstattet, dem die kleinen Krabbler nicht widerstehen können.
Es gibt also noch viel zu entdecken bei den unterschätzten Bestäubern und im Insektenreich allgemein – viel Spaß beim Beobachten im eigenen Garten!


Elke Schwarzer
Diplom-Biologin