Besuchen Sie die Bundesgartenschau in Erfurt!

 

Gartenkunst und Blütenmeere

Das größte Blumenbeet Europa erwartet die Besucher/innen auf der diesjährigen Bundesgartenschau. Aber natürlich nicht nur das. Wer über die weitverzweigten Ausstellungs-flächen schlendert, kann, sofern er sich nicht nur für romantische Blütenteppiche interessiert, auch viel Wissen über historische und ökologische Fakten erfahren. In vielen Einzelausstellungen und Themengärten sowie 3500 geplanten Veranstaltungen kann man ein kleines Studium der Pflanz- und Pflanzenkunde absolvieren. Und Erfurt ist dafür ein wahrlich historisches Pflaster, denn die Stadt ist schon seit dem Mittelalter als Blumenstadt bekannt.

Besonders spektakulär ist die Neugestaltung des historischen Petersberges, einer geschichtsträchtigen barocken Zitadelle, die bis vor kurzem noch ein ödes Kasernengelände mit zugewuchertem Burggraben war. Schon beim Anstieg ist man umgeben von Blumenteppichen, oben auf dem Plateau kann man wie in einer Zeitreise durch historische Thüringer Gartenepochen lustwandeln und einen zauberhaft gestalteten Burggraben erleben.  Mit 10 000 Pflanzen und hundert verschiedenen Gemüsesorten wurde er von den Landschaftsarchitekten Heuschneider / Pröbsting aus Rheda- Wiedenbrück in ein märchenhaft-beschwingtes Gesamtkunstwerk verwandelt. In bunten Streifen ziehen sich querbeet Pflanzungen von Blumen, Gemüse und Heilkräutern, sowie Arznei- und Färberpflanzen, die ihren Ursprung in Thüringen haben, wie ein anmutig malerischer Riesenteppich   durch das historische Festungsgelände.

Besondere Beachtung verdient unter den Pflanzen der Färberwaid, weil er der Stadt Erfurt zu Reichtum verhalf. Schon im Mittelalter wurde hier ein bedeutender Waidhandel mit ganz Europa betrieben, denn die Pflanze lieferte die begehrte Farbe Blau, die als Königsfarbe galt.

Weniger königlich war allerdings die Herstellung. Die zerschnittenen Pflanzenblätter mussten mit Harnsäure angesetzt und anschließend in der Sonne getrocknet werden. Erst dann kam die blaue Farbe zum Vorschein. Das sprichwörtliche „Blaumachen“ rührt wohl noch aus dieser Zeit, als Männer kostenlos Biertrinken und dabei faulenzen durften, um den nötigen „Rohstoff“ zu erzeugen.

Übrigens wusste auch schon Karl der Große von den Fähigkeiten dieser eher unscheinbaren, langstieligen und gelb blühenden Pflanze und betrieb bereits um 800 n.Chr. den Waidhandel.

In einem kleinen Themengarten wachsen auf dem Petersberg übrigens auch andere Pflanzen, die der kulturbewusste Kaiser bereits in all seinen Pfalzen anbauen ließ: Darunter Rosmarin, Minze, Salbei, Mutterkraut, Blutampfer und Hornveilchen.  Daneben findet sich auf der Zitadelle u.a. ein Barockgarten, ein Renaissancegarten und eine im Wind wehende Installation, die der heiligen Elisabeth v. Thüringen gewidmet ist, sowie ein mystisch anmutender Pilzetunnel, in die Pilze wie Kunstwerke wachsen.

Die Buga hat mehrere Veranstaltungsorte in Erfurt. Der Größte unter ihnen ist der traditionelle EGA-Park, wo auch schon zu DDR-Zeiten Gartenschauen stattgefunden haben. Neben unüberschaubaren Blumenmeeren, die im Wechselfloor bepflanzt werden, geht es hier auch um klimagerechte Pflanzungen, um wassersparende Beetanlagen und vielfältige Anregungen für den eigenen Garten zur Nutzung von Pflanzen, deren Kultivierung, Schnitt und Pflanzenschutz.

Auch eine Staudenschau auf 4000 Quadratmetern ist dem Thema Klimawandel gewidmet.

Das absolute Highlight im EGA-Park ist das Danakilhaus, das nach der Danakil-Wüste in Äthiopien benannt ist, dem trockenen und menschenfeindlichen „Höllenloch der Schöpfung“. In diesem einmaligen Urwaldhaus kann man den Einfluss des Wassers oder dessen Fehlen auf die Entwicklung von Schöpfung und Geschöpfen und deren Anpassung an die Umweltbedingungen studieren (Leider wird hier nochmals Eintritt verlangt).

Neue Impulse gibt die Buga auch für die Entwicklung von Stadtgrün mit hitzeresistenteren Bäumen und Pflanzen sowie viel Wissenswertes über Naturnähe, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Alles Kernanliegen der diesjährigen Bundesgartenschau, die auch den demographischen Wandel und die Erwärmung der Städte mit einbezieht.

Hobby- und Privatgärtner können ebenfalls eine Menge Anregungen mit nach Hause nehmen.

Es gibt Pflanzen -Neuzüchtungen zu sehen, Ideen für die persönliche Gartengestaltung, von Weinreben über Sonnensegel und beschatteten Sitzplätzen bis zu outdoor-Küchen, Tiny-Gärten und upcycling Ideen (Aus alt mach neu), sowie welche Pflanzen pflegeleicht, wassersparend und insektenfreundlich sind.

Im Sommerfloor gibt es auf der BUGA u.a. 800 qm Rosen und 180 000 Sommerblumen zu bewundern, aber die innere Aufnahmefähigkeit für die Schönheit der Natur ist ein anderes Thema. Wer sie vertiefen möchte, kann auf der Erfurter Bundesgartenschau ebenfalls fündig werden.  In einem Ausstellungsraum wird dazu eingeladen, genauer hinzuschauen und die faszinierende Welt der Blumen mit ganz neuen Augen zu betrachten, ganz im Sinne von Goethe, der meinte:“ Das Äußere der Pflanze ist nur die Hälfte ihrer Wirklichkeit. Oft gehen wir an den Blumen in unseren Gärten vorbei, ohne genau hinzusehen. Und das ist schade, denn es entgeht unseren Augen eine Menge wundervoller Details, die jede Blüte zu einem einzigartigen Wesen macht“.

Die Buga ist noch bis zum 10.10.2021 geöffnet.

 

Marietta Orthofer, Mitglied im Eigenheimerverband Bayern e.V.

 

Die nachfolgende Bildgalerie von Marietta Orthofer verdeutlicht die eindruckvollen Szenarien der Bundesgartenschau in Erfurt: